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Einführung in den Praxisweg der Meditation & Kontemplation

Der Weg der Selbsterforschung hat eine lange Tradition in den unterschiedlichsten Kulturen und kommt nun auf verschiedenen Wegen in Form der Achtsamkeitsbewegung bei uns an. Wir möchten noch einen Schritt weitergehen und persönliche mit kultureller Entwicklung verknüpfen.

Wie fange ich an? – persönliche Entwicklung

Für den Anfang orientieren wir uns am Aufbau eines klassischen 8-Wochen MBSR Kurses (das am besten erforschte, säkulare Meditationsprogramm). Das heißt wir beginnen mit Übungen, die das Körperbewusstsein vertiefen, wie den Body Scan (eine Körperwahrnehmungsübung) und achtsamen Bewegungen aus dem Yoga. Mithilfe dieser Übungen können wir wieder auf eine ganz intime, vertrauensvolle Weise im Körper ankommen. Wir nehmen unseren Körper besser wahr und sind weniger in Gedanken verloren.

Auf dieser Grundlage kann die Praxis in der Sitzmeditation, sowie durch Kontemplationen und Reflexionen weiter vertieft werden. In den Weisheitstraditionen wird häufig vom Affengeist gesprochen—ein untrainierter Geist, der von Baum zu Baum springt und nicht aufhört zu denken, zu grübeln und zu planen. Zu Beginn der Sitzmeditation kultivieren wir eine Stabilisierung unseres oft rastlosen Geistes mithilfe des Atems als Meditationsobjekt. Wir bringen unseren Geist immer wieder freundlich zurück zum Atem und können unsere Aufmerksamkeit mit etwas Übung besser lenken. Der Atem verbindet uns mit dem gegenwärtigen Moment und dient in vielen Traditionen als Anker für den rastlosen Geist. Letztlich stärken wir in der Meditation unsere Wahrnehmung, ohne dabei an den Objekten der Wahrnehmung festzuhalten. Wir vertiefen unser Bewusstsein, wodurch sich die Identifikation mit verlockenden Gedanken lockert. Durch die entstehende Stabilität sind wir tiefer im Körper verankert und können auch herausfordernde Gefühle fühlen, ohne uns von diesen abzuwenden. Tiefere Einsichten in unsere Persönlichkeit und in unsere Menschlichkeit sind das Resultat dieser Stabilisierung und Vertiefung des Bewusstseins.

Wir schärfen unseren Blick und können besser unterscheiden, auf welche Situationen wir Einfluss nehmen können und auf welche nicht. Es geht darum, die Potenziale in unserem Geist, die wir als hilfreich erkennen (Geduld, klares Erkennen, Stabilität, Freundlichkeit, Akzeptanz etc.) mithilfe der Übungen zu fördern. Nicht hilfreiche Reaktionsmuster und Gewohnheitsenergien verlieren dadurch immer mehr ihre Kraft. Es ist wichtig zu wissen, dass diese Prozesse Zeit benötigen. Obwohl sich meistens schon nach wenigen Wochen der Übung spürbare Veränderungen bemerkbar machen, so vertieft sich die Erlebniswelt von Meditierenden über Jahrzehnte hinweg. Dieses Wissen kann helfen, den Druck aus der täglichen Praxis zu nehmen, etwas erreichen zu wollen. Ein grundlegendes Wollen etwas zu verändern und anzufangen ist hilfreich. Ein konkretes Wollen, dass sich ein Gefühl oder eine Verhaltensweise ändert, ist meist ein hoffnungsloses Unterfangen. Wir üben uns im Loslassen – und im Loslassen vom Loslassen. Gleichzeitig ist es ermutigend zu wissen, dass uns ein enormes Potenzial für Veränderung und Vertiefung innewohnt, wenn wir mit ganzem Herzen dabeibleiben und immer wieder anfangen zu üben. Mit fortschreitender Praxis weitet sich unser Blick und es entsteht mehr gelebte Freiheit und Verbundenheit.

Es ist hilfreich von Zeit zu Zeit über die eigene Entwicklung zu reflektieren. Eine gute Orientierung hierfür sind z.B. die von Heinz Hilbrecht in seinem Buch Meditation und Gehirn beschriebenen Vertiefungen der Praxis.

Woher kommt denn der ganze Stress? – kulturelle Entwicklung

Wenn Du hier gelandet bist, weil Du Stress empfindest und herausfordernde Gefühle in Dir lebendig sind, die Du verändern möchtest, ist das ein guter Anfang. Krisen sind eine Einladung Altes loszulassen und in etwas Neues hineinzuwachsen. Was wäre unser Leben ohne Krisen?

Wir sehen die zunehmende Verbreitung von Achtsamkeit und Meditation in unserer Gesellschaft grundlegend sehr positiv. Dennoch stehen wir dem Hype um die Achtsamkeit auch kritisch gegenüber. In der Rhetorik moderner Vertreter der Achtsamkeit—vor allem im wirtschaftlichen Kontext—bemerken wir immer wieder, dass Stress auf ein individuelles Problem reduziert wird und die systembedingten Ursachen für Stress ignoriert oder vernachlässigt werden. Unsere wachstumsorientierte Konsumkultur und Leistungsgesellschaft ist wahrscheinlich der größte Stress-Erzeuger in unserer heutigen Zeit. Dabei erzeugen unsere veralteten Gesellschaftssysteme nicht nur Stress für Menschen—auch Tiere und unsere Umwelt werden zunehmend in Mitleidenschaft gezogen. Indem wir die systembedingten Ursachen von Stress nicht wahrnehmen und die Verantwortung ausschließlich bei jedem Einzelnen sehen, kann Achtsamkeit dazu missbraucht werden, ein dem Leben und unserer Entwicklung nicht dienliches System aufrechtzuerhalten. Die Unfähigkeit den mit unserem modernen Lebensstil verbundenen Stress nicht auszuhalten wird dann zu einem persönlichen Defizit. Wir meditieren, üben uns in Achtsamkeit, aber machen ansonsten weiter wie zuvor, ohne unseren Lebensstil in der Tiefe zu hinterfragen.

Viele wichtige Fragen werden bei diesem unvollständigen Ansatz nicht gestellt. Ist es vielleicht die normalste Sache der Welt unter den aktuellen Umständen und Anforderungen gestresst zu sein oder das Gefühl zu haben, dass etwas ganz grundlegend nicht in Ordnung ist? Wer glaubt noch ernsthaft an die Geschichte von stetigem wirtschaftlichen Wachstum? Kann es sein, dass die Ursachen von Stress und Krisen zu einem großen Teil systembedingt sind?

Indem wir Achtsamkeit üben, ohne den Blick auf unser Umfeld und unsere kulturellen Geschichten zu lenken, versuchen wir die Symptome einer Krankheit zu lindern, ohne nach dessen Ursache zu fragen. Wir möchten Meditierende dazu ermutigen, einen ganzheitlicheren Blick auf ihre Lebensweise zu entwickeln. Nur wenn unsere Praxis alle Lebensbereiche beleuchtet, kann sie ihre kraftvolle, transformative Kraft entfalten.

Without inner change, there can be no collective change. Without collective change—no change matters.

Wir laden im hier vorgestellten Praxisweg dazu ein, in der Tiefe über die Geschichten zu reflektieren, die uns durchs Leben tragen und unsere westliche Kultur geformt haben und noch immer formen. Wenn wir uns über den narrativen Grund auf dem wir stehen bewusst werden, wenn Körper und Geist in Harmonie sind, wenn unser Geist stabiler geworden ist, wenn sich die Identifikation mit unseren Gedanken gelockert haben—dann kann sich unser Blick mehr auf die gegenseitige Verbundenheit allen Lebens richten. Obwohl unsere Sicht noch vernebelt sein mag, so haben wir doch in unseren Herzen eine leise Ahnung davon, dass etwas Neues, Schönes und Sinnhaftes entstehen kann.

Wir möchten auch darauf hinweisen, dass der Weg durchaus herausfordernd sein kann und eine gewisse Stabilität voraussetzt. Bei starken Traumata oder in ganz akuten Krisenzeiten mag der Weg nach innen nicht hilfreich sein. Achtsamkeit und Meditation sind kein Ersatz für eine Psychotherapie. Der Weg führt mitunter so nachhaltig zur Heilung, da wir unsere ungeliebten Anteile kennenlernen und integrieren. Achtsamkeit ist immer auch Schattenarbeit und kann anstrengend sein. Wer sich ernsthaft auf den Weg macht, sollte den Austausch mit erfahrenen Praktizierenden suchen. Auch der Wert des gemeinschaftlichen Übens kann nicht hoch genug eingeschätzt werden.

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Tiefer Schauen

Kontemplation

Eine Einladung zum Fragen stellen

Diese Kontemplation von Andreas ist eine Einladung zum Fragen stellen. Wenn wir uns der Konsequenzen unserer kollektiven Sorglosigkeit bewusst werden, können Fragen wie „Was kann ich geben?“ hilfreich sein, um unsere Motivation für die Praxis zu festigen und zu vertiefen.

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Einführung in die Übungen (10min)

Auf Deeply Human vermitteln wir einen lebensnahen Praxisweg der Meditation und Reflexion. Wir versuchen dabei eine Form und Sprache zu finden, die für unsere heutige Zeit angemessen ist. In diesem Audiobeitrag skizziert Nils die grundlegenden Aspekte der Praxis.

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