Nicht-Dualität und Freiheit

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Es geht in der Meditation im Wesentlichen um das immer tiefere Erleben von Nicht-Dualität und der damit verbundenen Freiheit.

Doch was genau bedeutet das?

Wir kommen zwangsläufig mit Vorstellungen, Glaubenssätzen und Erwartungen zur Meditation, die im Laufe unserer Praxis ent-täuscht werden—nicht einmal, nicht zweimal, sondern immer und immer wieder. Das liegt in der Natur der Sache—denn wir erkennen in der Meditation durch welche Glaubenssätze und Selbstbilder wir die Welt wahrnehmen. Wie eine Brille tragen wir sie auf der Nase und schauen durch sie hindurch—meist ohne, dass uns dies bewusst ist. In der Meditation machen wir diesen Vorgang sichtbar und bringen somit unsere Glaubenssätze durch genaues Beobachten unserer Erfahrung ins Bewusstsein. Glaubenssätze sind deshalb so schwer zu erkennen, da sie uns—wie die Brille auf unserer Nase—näher sind als unsere Nasenspitze.

Unsere dualistische Wahrnehmung hat viele Ursachen—evolutionsbiologische, kulturelle und individuelle Prägungen tragen dazu bei, dass wir uns selbst und die Welt in Gegensätzen wahrnehmen und verstehen. In der Meditation richten wir die Aufmerksamkeit bewusst auf diese inneren Prozesse, um zu erforschen wie wir unsere Wahrnehmung selbst konstruieren.

Warum machen wir das? Vereinfacht ausgedrückt könnte man sagen: Je mehr wir die Welt in Gegensätzen (also in Dualismen) wahrnehmen und erleben, desto höher ist unser Leidensdruck. Ein tieferes Erleben von Nicht-Dualität—also eine Auflösung der Wahrnehmung von Trennung—geht einher mit einem tieferen Erleben von Freiheit, Verbundenheit und anderen heilsamen, menschlichen Qualitäten. Die Bewegung zu einer weniger leidvollen Erfahrung ist ein grundlegender Antrieb hinter einer sich vertiefenden Meditationspraxis, die uns spiralförmig zu einer immer tieferen Erfahrung von Nicht-Dualität führt.

Auf diesem Weg erkennen wir irgendwann auch, dass selbst die Trennung zwischen „leidvollen“ und „freudvollen“ Aspekten des menschlichen Daseins unserer dualistischen Wahrnehmung entspringt. Unser Leidensdruck reduziert sich nämlich gerade nicht durch das magische Eliminieren von allen unangenehmen Erfahrungen. Leid erzeugen wir vielmehr durch das zwanghafte—in unserer Kultur sehr weit verbreitete—Jagen nach angenehmen Empfindungen. Meditation macht nicht alles angenehmer, sondern lässt uns vielmehr erkennen, dass wir „angenehm“ und „unangenehm“ selbst konstruieren.

Langfristig führt unsere Praxis dennoch dazu, dass wir weniger „unangenehme“ Geisteszustände erleben. Meditierende verlieren auf Dauer nämlich die Lust am Konstruieren von selbst-zentrierten (dualistischen) Geisteszuständen, da sie erkennen wie leidvoll diese sind. Dabei hilft das Kultivieren von weniger selbst-zentrierten Geisteszuständen, wie Dankbarkeit, Mitgefühl, Freude oder Gleichmut. Spätestens jetzt ist vielleicht klar, dass Meditierende auf ihrem Weg grundlegende und tiefgreifende Veränderungen durchlaufen.

Der Umgang mit Konzepten nimmt dabei einen besonderen Platz ein. Das Konzept der „Nicht-Dualität” deutet auf einen Erfahrungsraum hin, der jenseits von Konzepten liegt. Unweigerlich bewegen sich Beschreibungen mit Worten deshalb in einem Grenzbereich, der die direkte Erfahrung der Nicht-Dualität nie hinreichend erfassen kann. Konzepte sind daher besser als Hilfsmittel zu verstehen und nicht als letztendliche Wahrheit, die es zu erreichen gilt. Wer sich an der Bedeutung von Worten zu sehr festhält, konstruiert dadurch lediglich eine weitere leidvolle Dualität. Dennoch sind Konzepte wie „Nicht-Dualität” oder „Leerheit” unschätzbar wertvoll und hilfreich für die Vertiefung der Praxis. Das kontemplative, intellektuelle Verstehen und die direkte, verkörperte Erfahrung sind in der Meditation wie zwei Zahnräder eines Uhrwerks, die ineinandergreifen und die Praxis in die Tiefe führen.

Tiefer Schauen

Die Kontemplation Über den Umgang mit Konzepten und Gedanken in der Meditation kann an dieser Stelle zur Vertiefung genutzt werden. Zwei weitere hilfreiche Konzepte werden in der Kontemplation Leerheit und bedingtes Entstehen – eine Einführung vorgestellt.

Andreas Frickinger

Nach einer persönlichen Lebenskrise im Jahr 2012 begann ich zu meditieren. Seitdem bin ich immer wieder erstaunt, wie sich meine Meditationspraxis über die Jahre verändert und vertieft hat. 2017 absolvierte ich eine Ausbildung zum MBSR-Lehrer. MBSR steht für achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (Mindfulness-Based Stress Reduction). Zusammen mit Nils Schmalenbach entwickelte ich die Idee für eine Website zum Thema inneres Wachstum und Kulturwandel. Das vertiefte Erleben von Freiheit und Zufriedenheit durch meine eigene Praxis hat mich dazu motiviert, Meditation zu vermitteln und andere Menschen in ihren Entwicklungsprozessen zu begleiten.
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Tiefer Schauen

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